Ich habe Freundinnen von einer meiner besten Freundinnen zum Geburtstag geschenkt bekommen – ein schönes, passendes Geschenk, dachte ich. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf bewegende, vielleicht auch nachdenkliche Geschichten über Freundschaft in all ihren Facetten. Doch schon nach der ersten Erzählung war ich irritiert, fast schon etwas bedrückt. Die Geschichten haben durchweg einen negativen, teils bitteren Unterton, mit dem ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte.
Bei vielen der Erzählungen habe ich mich gefragt, ob man hier überhaupt noch von Freundschaft sprechen kann. Die Beziehungen, die geschildert werden, wirkten auf mich oft distanziert, verletzend oder sogar destruktiv – von echter Verbundenheit, Vertrauen oder Wärme, wie ich Freundschaft verstehe, war kaum etwas zu spüren. Das hat mich ziemlich enttäuscht und bei manchen Geschichten sogar ein richtig unangenehmes Gefühl hinterlassen.
Ich persönlich würde das Buch daher nicht verschenken. Es weckt Erwartungen an einfühlsame, vielschichtige Freundschaftsgeschichten, liefert aber stattdessen eher schmerzvolle, manchmal sogar grausame Momentaufnahmen zwischen Menschen. Für mich geht es hier weniger darum, die Grenzen von Freundschaft auszuloten – vielmehr scheinen viele Erzählungen Freundschaft in einem Licht zu zeigen, das ich schlicht nicht teilen kann.
Ehrlich gesagt kann ich auch den zahlreichen positiven Bewertungen nicht zustimmen. Ich wundere mich, wie unterschiedlich dieses Buch offenbar wahrgenommen wird – meine Leseerfahrung war jedenfalls eine ganz andere.
⭐️⭐️
